Bestrafung für das eigene Alter

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Eigentlich dachte ich ja… wir leben in einer modernen Welt. Einer Welt, die offener, vernünftiger und toleranter ist.

Ich bin ein Kind der 80er und die 80er waren viel, waren auf ihre Art rebellisch, bestrebt die Dinge besser zu machen. Man sagt meiner Generation nach, wir könnten uns nicht so wirklich entscheiden, wären auf eine geradezu verdrehten Art ziellos, würden uns eher treiben lassen. Zugegeben, treiben lassen kann ich richtig gut. Es ist eine Lebensphilosophie. Treiben lassen heißt für mich, Pause zu machen, die Dinge nicht ganz so ernst zu nehmen, dass Leben zu nehmen wie es kommt und mich vor allem nicht von genau diesem Leben unter kriegen zu lassen.

Paradoxerweise ist es aber nicht das Leben, das mich allmählich in die Knie zwingt. Es sind die Menschen!

Verdammt, JA! Ich bin nun 50 Jahre alt. Ich bin aber verdammt noch mal weder tot noch gebrechlich!
Man könnte meinen, mein Leben sei vorbei. Natürlich gibt es so einige Dinge, die ich nicht mehr tun kann noch werde. Ich habe mich mit den Folgen meines Herzinfarktes arrangiert, ich weiß mittlerweile was geht und was nicht. Wenn ich es mal nicht weiß, dann probiere ich es eben aus. Oh ja! Die ersten Wehwehchen machen sich bemerkbar. NA UND?!

Glaubt ihr nicht, dass ich echt alt genug bin zu wissen wer ich bin, was ich bin und was ich kann? Büßt man ernsthaft mit 50 Jahren das Recht ein sein Leben selbstbestimmt zu führen? Habe ich das Recht auf ein bisschen Zuneigung, auf Träume und neue Dinge echt verloren?!
Ernsthaft?!

Nein, ich bin nicht schön. Ich bin fett. Ich bin alles, nur sicher nicht fit wie ein Turnschuh.
Aber anstatt mal zu überlegen warum ich aussehe wie ich aussehe oder bin wie ich bin, sehe ich nur, wie Urteile gefällt werden und die Menschen sich abwenden oder, fast noch besser, anfangen mir zu erklären wie ich zu leben habe. Am Besten sind immer noch die ach so tollen Ratschläge was ich anzuziehen habe. Solange ich meine Vorliebe für schwarze Klamotten auslebte, war fast alles in Ordnung. Immerhin bin ich ja Witwe. Das bin ich aber jetzt verdammt noch mal seit fast 6 Jahren und wenn mir im Moment der Sinn nach etwas mehr Farbe steht, dann ist das eben so und sicher KEIN Verbrechen. Nur weil ich Witwe bin, heißt das nicht, dass ich mich nicht mehr nach Zuneigung und Zärtlichkeit sehne, mich auch mal anlehnen können möchte.

Aber ich bin eben 50 Jahre alt und Witwe. Ich bin verdammt worden. Verdammt von einer Gesellschaft, die dermaßen zugeknöpft ist, festgefahren ist in ihren bescheuerten Konventionen, dass ich mir vorkomme als ob man mich in einen Käfig eingesperrt hätte, festgekettet an den Gitterstäben, damit ich mich auch ja nicht all zu viel bewegen kann.

Ihr klammert euch so sehr an irgendwelche dämlichen gesellschaftlichen Regeln, dass ihr vergesst zu leben. Es ist wichtiger, wie man aussieht, wie man sich verhält, was man tut und das man diese ungeschriebenen Regeln befolgt. Ihr seid so sehr damit beschäftigt all diese Regeln bis ins Haar zu befolgen, dass ihr gar nicht mehr mitbekommt wie sehr ihr andere Menschen verletzt und was euch im Leben unwiderbringlich entgeht.

Ich mag den gesellschaftlichen Normen nicht entsprechen. Eben weil ich auf diese verkorksten unsinnigen Regeln pfeiffe. Aber ich LEBE. Ich sehe all die Scheiße, die tagtäglich passiert. Ich sehe aber auch all das Schöne, all die kleinen Wunder, an denen ihr einfach blind vorbei geht. Ich sage immer noch bitte und danke und es kommt von Herzen, ist keine Floskel, keine gesellschaftliche Notwendigkeit. Ich mache meine Fehler und stehe dazu. Ich bin wie ich bin und verbiege mich nicht für irgendeine bescheuerte Konvention. Ehrlichkeit hört doch nicht bei der eigenen Person auf.

Ganz ehrlich…
Wer mich nicht so nehmen kann, wie ich bin, der kann bitte einfach gehen!
Wer sich davor ekelt, wie ich aussehe: Die nächste Tür ist nicht weit und bitte gut verschließen!
Es muss sich keiner mit mir befassen, der nicht will. Also geht einfach und lasst mich mein Leben leben wie ich möchte. Ich lasse mich nicht in euer beklopptes gesellschaftlich korrektes Korsett stopfen.

Denn ich bin 50 Jahr alt und damit habe ich mir vor allem eines verdient: Das Recht mit meinem Leben zu machen was ich will! Ich pfeiffe auf eine Gesellschaft, die anscheinend zurück ins 18. Jahrhundert will.

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