Die Grashalm-Katastrophe

Samstag – früher Nachmittag.
Die Sonne scheint, die Wolken zieh’n vorüber…
…und schon wieder steht Junior auf der Wiese und mimt die Kuh!

Das ist total üblich. Das macht er quasi schon immer… so seit dem 5. Monat etwa. Ich habe da auch eigentlich kein Problem mit, mal abgesehen von der Tatsache, dass Monsigneur es durchaus schafft sich die Zeit zu nehmen, dass man schon fast den Verdacht hegt, er könnte sich auch im Wiederkäuen versuchen. DAS möchte ich jetzt aber ehrlich nicht weiter vertiefen…
Ihr wisst schon… Bilder… und so.

Er ist also nicht nur Erdmännchen und Känguruh, sondern zuweilen auch Kuh… oder Stier… oder… erm. Pflanzenfresser halt. Ich hege ja sowieso schon länger den Verdacht, dass der Herr über Vegetarismus nachgrübelt. Salatgurke, Karotte, Kartoffeln… selbst Radieschen werden selten verschmäht. Notiz an mich: Bist du dir eigentlich sicher einen Seelenfreund der Gattung Hund an deiner Seite zu haben? *kopfkratz*

Wie auch immer… die Sonne scheint, die Wolken… ah.. das hatten wir ja schon. Der Herr steht also mal wieder auf der Wiese und beschäftigt sich mit der Auswahl an Grashalmen.
Blöderweise hat es auf so einer Wiese eine durchaus erkleckliche Auswahl solcher Halme. Über den Geschmack selbiger wage ich allerdings nun kein Urteil. ICH hab’s einfach noch nicht probiert – und bisher auch noch keinerlei Ambitionen in dieser Richtung verspürt. Meine Fellnase dagegen kennt sich da bestens aus und auch wenn er eigentlich nicht wirklich mümmelig in Sachen Futter ist – abgesehen von der völlig unverständlichen Abneigung gegenüber Nassfutter… – in Sachen Grashalm wird noch lange nicht jeder Halm auf dem Speiseplan enden!
…wenn da nicht Frauchen wäre…
…die da weiter läuft…
…und man hin und her gerissen ist zwischen dieser immensen Auswahl und der Tatsache, dass wir es nicht wirklich mögen, wenn der Abstand zu Frauchen „zu groß“ wird…

Tja… und wie so oft entscheidet sich der Herr also dazu einfach mal reinzuhauen was gerade da is… und ZACK! Gehuste, genieße, Würggeräusche… FRAUCHEN! ALARM!
Frauchen – ob solcher Geräuschkulisse natürlich sofort alarmiert – schon längst wieder beim „todsterbenskranken“ Kerlchen. Da hat er sich also tatsächlich an einem Grashalm verschluckt.

Soch… ab hier war erst mal Schluss mit lustig.
Ein Hund, der sich verschluckt, kann im übelsten Fall verdammt schnell ersticken. Auch und gerade an so was profanem wie einem Grashalm. Und ich hab‘ dann auch noch so eine Mini-Ausgabe an Hund, der sich ja bis heute weigert an die 3-kg-Marke zu kommen. Hier kann richtig reagieren also ganz schnell mal zu einer Überlebensfrage werden.

  1. Ruhe bewahren!!!
    Panik hilft jetzt überhaupt nicht. Dein Hund ist schon panisch oder auf dem Weg dahin.
    DU musst jetzt die Ruhe selbst bleiben und vor allem versuchen, deinen Hund zu beruhigen. Keine hektischen Bewegungen, kein sinnloses Bedauern/Trösten (der Hund will jetzt Hilfe und kein Eiei-Heile-Heile-Gänschen) und vor allem kein panisches Gefummel im Maul. Da können – je nach Gebiss und Beißkraft deines Vierbeiners -mal ganz schnell die eigenen Fingerchens wech sein.
  2. Atmung überprüfen
    Atmet er noch einigermaßen normal oder eher flach. Das er gerade echt hektisch is macht das nicht einfacher. Ich habe da mit meinem echt Glück. Es reicht die Hand auf den Rücken zu legen und ein sanftes schhhhh… und er wird zumindest schon mal ruhig sitzen bleiben und mich machen lassen. Keine Ahnung wie das kommt, hat sich so eingespielt im Laufe der Zeit.
    Brustkorb beobachten. Hechelt er nur? Oder geht Atmung auch mit geschlossener Schnauze noch gut?
  3. Kippt dein Hund um, wird also bewußtlos:
    Atmet er noch? – Nicht lange fackeln, auf den kürzesten Weg zum nächsten Tierarzt.
    Atemstillstand? – Stabile Seitenlage – JA! Die gibt es auch für den Hund, Dr. Google hilft da – und beatmen. Sobald die Fellnase wieder Luft holt: Ab zum TA!
    Sollte eure Stadt über eine Tiernotrettung verfügen: Anrufen! Hilfe holen!
  4. Ist die Fellnase einigermaßen ruhig und atmet auch vernünftig, kannst du nun vorsichtig versuchen das Maul zu öffnen und nachsehen ob du was erkennen kannst. Sollte dies der Fall sein – und das wird SELTEN der Fall sein (!) – musst du nun entscheiden, ob du die Möglichkeit und Fähigkeit hast den Fremdkörper heraus zu holen ohne ihn weiter rein zu schieben.
    Bei meinem Mini stellt sich mir die Frage nicht. Mini = alles Mini. Da habe ich so gut wie keine Chance vernünftig zu agieren. Ergo: TA anrufen.

Jetzt hatten wir aber immerhin teilweise Glück im Unglück. Ich hatte – mal wieder – das Handy nicht dabei. Also erst mal sofort nach Hause. Dort angekommen ist mein Cleverchen erst mal an den Trinknapf gestürzt. Hat sich in der Hektik verschluckt und siehe da… da kommt wat Grünes raus. Juhuu!

…kaum eine halbe Stunde später:
Hund niest und hustet und würgt… oha! DAS war also noch nicht alles. Noch mal TA anrufen.
Jetzt ist das so eine Sache mit TAs. Meine neigt absolut nicht dazu, dir irgendwelche teuren Sperenzien anzuraten. Wenn die mir also erzählt, dass ich im Zweifelsfall besser in die Tierklinik fahre – endoskopische Geräte, die hier nötig wären, haben nicht viele TAs in der Praxis – DANN mache ich mir natürlich schon mal richtig Kopp. Aber sie hat mir auch geraten jetzt nicht in Panik zu verfallen (ich panisch? WO?! … du hast gerade wat von Tierklinik verlauten lassen! ). Ich solle beobachten: Frisst er noch? Trinkt er noch? Und vor allem: Wie atmet er?
Fressen mag er gerade nicht. Er ist Kerl. Er ist also gerade todsterbenskrank!
Er trinkt normal wie immer, wenn auch häufiger.
Atmung hat sich beruhigt. Würgen ist weniger geworden und das andere… da weiß ich gerade auch nicht ob er nun husten oder niesen will.
Mehr Infos hat sie nicht gebraucht.
Vorsichtige Diagnose: Da steckt wohl noch ein Resthalm zwischen Luft und Speiseröhre. Ich solle doch immer wieder mal sanft den Kehlkopf massieren um den Schluckreflex zu animieren. Mit Glück rutscht dieses Miststück ganz in die Speiseröhre, wird runter geschluckt und Ende des Dramas. Hund gut beobachten. Sollte der Husten deutlich schlimmer werden: Ab in die Klinik!
Ich merke an: Samstag-Nachmittag, am Telefon! DANKE für den Support lange nach Feierabend obwohl du keinen Notdienst hattest!

Sonntag Morgen:
Die Sonne is noch nich richtig über den Horizont gekrochen, die Vögel randalieren schon munter vor dem Fenster…. und mein Hund missbraucht mich als Trampolin. FRAUCHEN! WACH! RAUS! … hust-nies … mmmhhhh….

Frauchen schält sich also aus dem Bettchen und geht mit Junior vor die Tür.
Junior, kaum ist die Tür offen, genehmigt sich erst mal einen tiiiiiiiefen Zug Frischluft! Hach… is dat schön!
…und niest derart heftig, dass es ihn glatt von den Pfoten haut.
Kaum passiert, steht dat Kerlchen wieder und trabt munter los. Okaaayyy… Ich bin ja noch misstrauisch. Aber ich kenne auch Dandy nur zu gut. Neugierig auf die Welt, ab und an geradezu draufgängerisch… aber wehe er is auch nur leicht verschnupft oder SIEHT auch nur ne Spritze: TODSTERBENSKRANK! Ehrlich… er IST wehleidig! Definitiv und sowat von… Kerl halt.

Der Tag verlief eigentlich recht ruhig. Junior schlief viel – kennt Frau – und war wenig an Spielen interessiert – kennt Frau eher nicht. Aber gut… Erholungsphase vermutlich.
Am frühen Nachmittag: Verd… nies-hust-würg.
Also langsam machte mir das echt Angst. Da die Ruhe zu bewahren und den Hund zu beruhigen ist dann echt mal ne Herausforderung. Aber wir überstanden auch den Sonntag alles in allem eher gechillt.

Montag:
Kaum auf den Füßen und auch wenn Junior gerade mal wieder die Übermut in Person war: TA anrufen. Wir sollen erst mal raus gehen, laufen, laufen, laufen und gut beobachten und weiter immer wieder massieren. Mittag bitte berichten. Machen wir.
Mittagsbericht abgeliefert: Frisst, trinkt, tobt – wenn auch deutlich kürzer – und atmet eigentlich völlig normal. Nur halt ab und an dieses nies-hust-würg immer wieder. Wir sollen weiter machen wie gehabt und ich soll eine Pinzette bereit halten. Ich soll WAS?

LATÜRNICH habe ich diese blöde Pinzette vergessen mitzunehmen!
Ich hatte am späten Mittag noch eine Verabredung und Dandy kam natürlich mit. Ausgerüstet mit Halsband (bäääh Frauchen…), Leine (nicht dein Ernst, Frauchen… ) und seiner Kuscheltasche (ich darf mit? ich darf mit? *freuuuuuu-tanz*) zogen wir also los.
In einem Cafe mit Außenbereich machten wir drei es uns dann gemütlich. Wir bei Café au Lait und Junior in seiner Kuscheltasche auf dem Stuhl neben mir.
…und DANN… wühlt diese manchmal echt bescheuerte Fellnase wie ein Berserker in seiner Tasche rum (wir sind von Beruf ja auch gerne mal „Nestbauer“) und bevor ich noch reagieren kann segelt Fellnase mitsamt der Kuscheltasche vom Stuhl.
Ein total fertiges und erschrockenes Hunde-Elend kommt niesend wie bescheuert zum Vorschein und hört gar nimmer auf zu niesen und sich die Schnauze zu reiben. Es dauert auch gut und gerne 10 Minuten bis ich den Grund für das Drama finde: Da lugt doch, noch ganz zart und versteckt, so ein bissel grün aus dem linken Nasenloch. PINZETTE! Verflixt!

Letztendlich – danke für dein Vertrauen Dandy! – konnte ich den Kleinen soweit beruhigen, dass er wirklich gaaaanz still hielt und ich mit einer dünnen Häkelnadel das Hälmchen soweit herausschieben konnte, dass ich es dann greifen und raus ziehen konnte. Hälmchen? Locker 3 cm HALM.

Wie auch immer: Drama durch – Katastrophe gut ausgegangen.
Junior ist wieder total der Alte… Der nächste Bericht an die TA fiel dann auch deutlich entspannter aus.

Pöse Grashalme…
… die Sonne scheint, die Wolken ziehen vorüber…
…und schon wieder steht Junior auf der Wiese und mimt die Kuh!
Es ist Donnerstag Morgen… halb 7 Uhr…

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.