[gelesen] Die Marketenderin: Mit Napoleon in Russland

  • Autorin: Martina Kempff
  • Taschenbuch: 408 Seiten
  • Verlag: Ammianus; Auflage: 1. (17. September 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3945025087
  • ISBN-13: 978-3945025086

Kurzbeschreibung lt. Amazon:

1812. Überleben! Nur darum geht es noch für die junge Marketenderin Juliane Assenheimer, die sich mit dem Heerestross der Württemberger Napoleons Großer Armee angeschlossen hat. Denn der Feldzug nach Moskau gerät zur Katastrophe. In eisiger Kälte, in einer von Hass und Gewalt geprägten Männerwelt muss sich Juliane ihrer Haut erwehren. Als sie an der Beresina von den fliehenden Truppen Napoleons abgeschnitten wird und in russische Gefangenschaft zu geraten droht, können ihr auch ihr Mann, der Korporal Matthäus, und ihre heimliche Liebe Johannes Gerter nicht mehr helfen. Doch Juliane gibt nicht auf. Mit Mut und Energie meistert sie Schicksalsschläge und lehnt sich gegen Gewalt und Unrecht auf, bis sich ihre Lage in Moskau zuspitzt. Ausgerechnet dort begegnet sie Johannes Gerter wieder. Für die Neuauflage ihres Debütromans hat Martina Kempff die Geschichte ihrer Vorfahrin komplett überarbeitet. Die Romanhandlung orientiert sich an den Tagebuchaufzeichnungen eines württembergischen Offiziers, der Napoleons Russlandfeldzug überlebt hat. Ein reich bebildertes Nachwort rückt dem Leser die Zeit Napoleons in greifbare Nähe.

Meine Meinung:

Wie mittlerweile meistens habe ich die Kindle-Edition gelesen. Gelesen ist eigentlich das falsche Wort… ich hab’s regelrecht verschlungen. o.O Eigentlich sollten die rund 400 Seiten länger halten…

Im Grunde ein klassischer historischer Roman mit allem drum und dran… und doch irgendwie so ganz anders. Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte und eigentlich ist die auch sozusagen der rote Faden. Trotzdem ist sie weder nervig, noch kitschig und schon gar nicht dominant zu nennen. Sie ist liebevoll und authentisch und das bitte trotz des Happy Ends.
Aber sehr viel mehr haben mich die Erzählungen rundrum beeindruckt. Die sind mal alles andere als nett, niedlich oder rosarot. Hier geht es zur Sache und auch wenn es größtenteils Fiktion ist, gespickt mit historischen, gut recherchierten Fakten, genau so könnte sich der Russland-Feldzug als Einzel-Schicksal durchaus abgespielt haben. Der Leser wird auf eine Reise mitgenommen, die es wirklich in sich hat und so manches Bild, dass sich in meinem Kopf bildete war mehr als gruselig. Vor allem, da ich mir nur zu gut vorstellen konnte, dass Menschen in genau solchen Situationen eben wirklich genau so und nicht anders agieren werden. Hier wird nichts beschönigt, romantisiert und schon gar nicht irgendwie relativiert. Trotz, oder gerade, wegen all der Gruselszenen, die sich immer wieder finden lassen, wird aber auch auf all zu detailreiche Beschreibungen verzichtet. Der Ekelfaktor hängt also eher von der eigenen Fantasie, denn von all zu „blumig“ beschriebenen Szenen ab. Gut so. Meine Fantasie brauchte echt nicht noch mehr Hinweise um die Bilder zu malen.
Aber, und das macht diesen Roman wohl zu einer seltenen Perle, es geht eben nicht nur um die Schrecken des Feldzuges sondern auch um ganz banale Dinge und Gegebenheiten, alltägliches und am Rande auch um so Dinge wie damals noch übliche Standesunterschiede und damit verbundene Hürden (die eben nicht mal einfach so mit den Fahnen der Liebe überwunden werden können).

Die Charaktere haben Charakter, Ecken, Kanten und Geheimnisse. Über eines habe ich ehrlich fast bis zum Ende gerätselt und die Auflösung war dann zwar nicht unbedingt bahnbrechend aber doch irgendwie nett. Man gönnte es der Figur am Ende sein ganz eigenes Happy End zu bekommen. Kurz gesagt: Die Charaktere sind einfach liebevoll und authentisch gezeichnet ohne all zu viele Schnörkel und vor allem ohne irgendwelchem Heldenpathos, der einem schon mal bei so manchem Roman dieser Art auf den Zeiger gehen kann. Es sind einfach Menschen, die hier agieren. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Was ich allerdings ein wenig schade fand, zumal es sich ja um die überarbeitete Fassung handelt:
Das Lektorat hat böse gepennt!
Es ist nicht so, dass das Buch vor Fehler strotzen würde und grammatikalisch habe ich gar nichts auszusetzen aber gerade zum Ende hin finden sich so einige Fehler wie doppelte Wörter/Satzteile, Tippfehlerchen usw. Blöderweise teilweise tatsächlich so, dass ich in meinem Lesefluss ins Stolpern kam. Und ich hasse sowas ehrlich. Da ist man ganz tief drin in der Welt und dann wird man so rüde raus gerissen. *hmpf*

Fazit:

Ein spannendes Buch ohne Heldenpathos, mit liebevoll und authentisch gezeichneten Charakteren, dass mir so ganz nebenbei noch so manches über Napoleon und die Zeitgeschichte als solche beibrachte. Gut zu lesen – trotz oben genannter Fehlerchen – interessant, spannend, authentisch, niemals wirklich langweilig und alle Erzählstränge bleiben zu jederzeit logisch, nachvollziehbar und werden auch ohne wenn und aber bis zum Ende durchgezogen und perfekt zusammen geführt.
Das Buch habe ich definitiv nicht zum letzten Mal gelesen.
Wer Historisches mag und nicht unbedingt dabei Märchenschlösser und Prinzessinnen, Ritter und sonstige Helden braucht oder will, der sollte hier wirklich mal einen Blick riskieren.

Der Amazon-Link: http://www.amazon.de/Die-Marketenderin-Mit-Napoleon-Russland/dp/3945025087

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