Nebelwelt on Tour

Es gibt so Tage, da scheint das Wetter genau das wieder zu spiegeln, was in dir ist.
Gestern grau in grau, Wolken verhangen, die Sonne kam kaum durch. Das ich auch noch ein paar Minuten früher los stiefelte, zeigte auch nur deutlich, dass die Tage wieder kürzer werden. Unglaublich eigentlich und doch schon spürbar. Es war nicht wirklich witzig gestern. Kalte, graue Welt, unnahbar, ausschließend.
Heute war mir die Welt da draußen irgendwie fremd. Es gab keinen richtigen Nebel aber so was ähnliches. Als ob Wolken super tief hängen würden. Die Luft war feucht, die Sicht einfach diesig, bis in der Ferne milchig. Konturen sahen irgendwie schwammig aus bis sie nur noch als Schemen in einer weißgrauen Umgebung erschienen. Man kommt sich wie ein Fremdkörper vor, ausgeschlossen, eingeschlossen, abgewiesen. Du gehörst nicht hier her. du bist kein Teil von uns. Irgendwie kam mir das alles verteufelt bekannt vor.

Es gibt so Tage, da hängt man einfach nur seinen Gedanken nach. Briefkästen kennt man, Namen kennt man, man kann es sich leisten öfter mal die Gedanken schweifen zu lassen. Weiter als sonst. Denken, grübeln, hinterfragen… tägliches Brot. So lange ich wach bin, tue ich das eigentlich non-Stop. Auf Tour tritt es nur meist in den Hintergrund. Vor allem, wenn es mal wieder Änderungen gab. Heute hatte es nur eine. Die Menschen melden sich nach und nach ab. Urlaubszeit eben. Ich beneide sie ein bisschen.

Mein eigener letzter Urlaub, so richtig mit planen und vorbereiten und Spaß haben und gemeinsam… ist eigentlich schon längst im Reich der Mythen und Legenden gelandet. 1991 drei Wochen in der Camargue/Süd-Frankreich. Oh man… über 20 Jahr her… Kann sich das einer vorstellen? o.O
Komisch… ich erinnere mich trotzdem noch an viele Details. Den Geruch von Thymian und Lavendel auf den Feldern, das Salz auf der Haut und den Lippen, der Ausflug auf das Dach der kleinen Kirche von St. Marie de la Mer. Oh ja… ich erinnere mich tatsächlich auch noch an den Namen des kleinen Nestes, in dem wir auf einem Campingplatz unser Zelt aufgeschlagen hatten. Die Zeltplatz-Nachbarn, Franzosen, und ihre dusselige kleine Katze, die sich ganz gerne mal ihren Nachtisch bei uns abholte. Ok… eine Katze auf einem Campingplatz ist dann sowieso eher ungewöhnlich. Zumindest ungewöhnlich genug, dass man es nicht so leicht vergisst.

Urlaub… Ich erinnere mich, wo ich noch überall mal hin wollte. Zumindest ein Mal mit eigenen Augen sehen. Ich mag beruflich doch so einiges gesehen haben, gerade auch fremde Länder und das auch noch aus einer Perspektive, die einem Touri wohl eher verborgen bleiben würde, doch gibt es noch eine Menge Orte, die ich gerne gesehen hätte. Sehen, spüren, Atmosphäre aufnehmen. Bilder können einem nicht alles zeigen. Bilder haben starre Blickwinkel, die sich nicht mehr ändern lassen, fest stehende Lichter, unverrückbare Schatten.

Es ist schon arg paradox. Ich erinnere mich gerne an Urlaube. Mit meiner Mom und meiner Granny. Mit meiner Freundin, ihrem Freund und ihrem Bruder *schmunzel*. Das reinste Abenteuer. Der erste und einzige mit einem Lebenspartner in der Camargue… gleichzeitig der letzte überhaupt. Ich würde sonst was geben noch ein Mal einfach in den Urlaub fahren zu können, Spaß zu haben, die Freude an den kleinen Dingen zu spüren, Leben einfach zu genießen wie es gerade ist.
…und gleichzeitig weiß ich, dass ich keinen Schritt aus meiner Haustür raus mache, wenn ich nicht unbedingt muss. Die Zeiten von einfach leben und laissez faire gehören schon lange der Vergangenheit an. Heute sind Schubladen angesagt, in die man mich steckt und nicht mehr raus lässt. Heute ist Kampf und Strafe ohne zu wissen, was ich schon wieder angestellt haben mag. Heute, das sind Anforderungen, Erwartungen, Verpflichtungen, Vorgaben und irgendwie sollst du all das erfüllen. Ob du es kannst ist nicht die Frage. Du hast es zu können.
Heute ist nichts, was ich tue, gut genug. Nichts, was ohne Kritik genommen werden würde. Nichts, was in meinen Augen eine gewisse Schönheit birgt, wird als schön empfunden, als adäquat, als respektabel, als hinnehmbar. Es bedarf immer Änderungen, Anpassungen. Pronto. Sofort. …und am Ende ist meist auch das Bild, dass ich im Kopf hatte, die Vorstellung, die Idee, zerstört. Sie war ein mal mehr nicht gut genug um Bestand haben zu können vor den Augen jener, die überhaupt noch hinsehen mögen.

Die Welt liegt unter einem Schleier weiß-grauen Dunstes und sagt: Du gehörst nicht her. Du darfst mal hinsehen, hier und da näher kommen aber wir wollen dich eigentlich nicht. Du passt nicht zu uns. Du gehörst nicht zu uns.

…einzig die Tiere kritisieren gar nicht. Sie kommen wie sie immer kommen. Selbst wenn ich mal keine „Bestechung“ dabei habe. Sie kommen trotzdem. Wuschel begleitet mich heute so gar fast die ganze Tour entlang. Leise schnurrend, hin und wieder eine Streicheleinheit einfordernd. Tieren ist es egal wer du bist, wie du aussiehst. Solange du fair bleibst, gut, ihr Vertrauen nicht missbrauchst begleiten sie dich.

Ich freue mich auf Zuhause. Lucky und Birdy warten schon hinter der Tür und nachdem auch die übliche Portion Frühstück im Magen gelandet ist, kuscheln wir uns zu dritt in mein Bett. Telefon aus, Klingel aus, Rechner aus. Ausgiebiges Kuscheln, Schmusen und Schnurren.
Ich lasse die Nebelwelten einfach draußen.

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