Tierische Schadenfreude

Als Mensch neigt man gerne dazu Dinge zu vermenschlichen. Man gibt seinem Auto einen Namen (mein letztes hieß Karlchen und wurde so schon vom Vorbesitzer „getauft“), seinem Rechner… und zickt die Maschine mal herum, dann hat sie eben einen schlechten Tag. Das sie eigentlich seelenlos ist – zumindest nach den gängigen wissenschaftlich-sachlichen Definitionen – stört uns dabei ja mal so gar nicht. So manches Auto, so mancher Rechner mutiert zu einem echten Charakterkopf. Der Mensch baut nun mal zu Dingen, die ihm wichtig sind, Beziehungen auf und seien diese auch nur in der eigenen Fantasie existent.

Bei leblosen Dingen schüttelt so manch anderer meist nur den Kopf. Oft genug mit einem leichten Grinsen. Ich z.B. diskutiere durchaus öfter mal mit meinem Monitor, auch wenn das echt ziemlich einseitige Diskussionen sind. Die Argumente eines Monitors werden ja in der Regel von den Fehlermeldungen meines Betriebssystems vorgegeben und wiederholen sich dann auch ganz gerne mal in geradezu sturer Beständigkeit. „Mundtot“ kriegt man so einen Monitor auch recht schnell: Man behebe den Fehler/löse das Problem – und schon ist Ruhe. Was mich aber nicht daran hindert durchaus auch mal einen deutlich Schaden-frohen Kommentar nachzuschieben.

Bei Tieren läuft das alles kein Stück anders. Ich will echt nicht wissen, was sich so manches Tierchen denkt, wenn es mal wieder „Opfer“ unserer menschlichen Interpretation von Verhaltensweisen, Gesten oder Mimik wird.
JA! Ich glaube daran, dass auch Tiere denken können. Mag die Denkweise für meine Begriffe auch noch so abstrakt sein. Das Tiere empathische Wesen sind, will ja wohl mittlerweile niemand mehr abstreiten. Nur weil wir sie nicht verstehen, heißt das ja noch lange nicht, dass sie dämlich sind.
Wie auch immer… Tieren muss man erst gar keinen Charakter „andichten“. Sie besitzen einen. Der wird einem zwar nicht immer gleich offenbar und von verstehen sind wir meist ganze Äonen entfernt aber auch Tiere sind immer Individuen.

Ein – für mich – ganz besonderes Exemplar ist da Federchen. Ich weiß zwar nicht mal, ob es nun ein ER oder eine SIE ist aber der (Rabe) ist ein echter und ziemlich neugieriger Frechdachs. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass der Frechdachs so was wie Humor besitzt.

Es war einer dieser Nächte, in denen es nicht nur höllisch glatt auf den Straßen war, sondern sich über das Glatteis auch noch eine nette kleine Schneedecke gelegt hatte. Das Gemeine an dieser Kombination ist einfach, dass man die wirklich glatten Stellen meist erst dann bemerkt, wenn man gerade dabei ist einen unfreiwilligen Spagat zu versuchen. Das macht solche Nächte eben auch schlichtweg gefährlich. Besonders, wenn man auf seiner Tour noch solche Nettigkeiten wie Marmor-Treppen hat, auf denen sich ja gerne Wasser sammelt, welches gefrieren kann.
Diese Nacht war also mal wieder eine derer, in denen Intuition und Erfahrung gefragt waren. Zwei Dinge, die durchaus geeignet sind, den meisten Gefahrenherden aus dem Weg zu gehen. Den meisten, lange nicht allen.

Federchen hatte es sich mal wieder auf der obersten Stange von Mr. Trolley bequem gemacht. Es war wohl zu kalt sich mal wieder interessierter in den Inhalt der Taschen zu verkriechen. Allerdings hatte ich auch kein Leckerchen dabei, geschweige denn versteckt. Federchens Vorliebe sind Haselnüsse und da ich die ja immer ohne Schale mitbrachte waren sie wohl ein echter Leckerbissen, der nur gefunden werden musste. Wie auch immer, man begnügte sich mit dem Beobachtungsposten während ich mich über die teilweise doch recht trügerischen Wege wagte. Alles in Allem lief es aber recht gut, die wirklich riskanten Stellen hielten sich in Grenzen und so wurde ich wohl auch ein wenig unvorsichtiger. So was rächt sich ja nur zu gerne. Prompt rutsche ich auf dem Rückweg von meinen Briefkästen und kurz vor Mr. Trolley und Federchen aus. Ich landete etwas unsanft auf meinem Hintern. In soweit ja noch glimpflich ausgegangen.
…und was macht Federchen? O.o
Der sitzt immer noch auf Mr. Trolley, schlägt mit den Flügeln, legt den Kopf schief in meine Richtung schauend und krächzt herzhaft vor sich hin!
Leute… ich hätte echt schwören können, der lacht mich gerade richtig aus! Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glatt behaupten, der hatte so einen grinsenden Zug um den Schnabel herum gehabt…
…und es dauerte auch bis er sich wieder beruhigte. Ich stand schon längst wieder, rieb mir den Hintern und das Vieh krächzte immer noch vor sich hin und hüpfte mittlerweile auf der Stange hin und her.

Tierische Schadenfreude wortwörtlich…
Ich bin mir heute noch sicher, der hatte in dem Moment echt seinen Spaß… :gruebel:

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